Die Air Berlin Affäre … aus Sicht einer Stewardess

14,50 

Barbian-Stiller, Anja

DIN A5, 182 Seiten, Softcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-96133-052-2

Lieferzeit: 1 - 2 Tage

Kategorien: , Schlüsselworte: , ,

Beschreibung

15. August 2017 – Air Berlin ist insolvent.

Air Berlin

Hunderttausende Passagiere sitzen in ihren Urlaubsdomizilen im Ausland, ebenso viele sitzen auf gepackten Koffern, um in den nächsten Tagen den Sommerurlaub anzutreten. Und jetzt ist die Fluggesellschaft pleite.

Die Bundesregierung reagiert; binnen Tagen wird ein Kredit von 150 Millionen Euro bereitgestellt. Air Berlin kann weiterfliegen, zunächst einmal. Das beruhigt nicht nur die Kunden der Air Berlin. Auch die mehr als 8.000 Mitarbeiter des Unternehmens, deren Existenz auf dem Spiel steht, atmen auf. Zu früh. wie sich in den nächsten Wochen zeigen sollte.

Eine Stewardess erzählt, wie es weiterging

und wie die Crews der Air Berlin das Ganze erleben. Keine Informationen vom Unternehmen, erschreckende Presseberichte,  Gerüchte und Konflikte, die in den sozialen Medien ausgetragen werden und dort eskalieren. Permanente Ungewissheit, widersprüchliche Auskünfte.

„Stay United“ wird zum Schlachtruf.

Die Belegschaft der bankrotten Fluggesellschaft gibt nicht auf, sondern kämpft.

Die Autorin schafft es, trotz des sehr unerfreulichen Anlasses, ein unterhaltsames Buch zu schreiben. Das Insolvenzverfahren hat die Züge eines Wirtschaftskrimis, die Sicht einer Betroffenen macht das sehr deutlich. Immer wieder fließen aber auch Ereignisse aus einem fast dreißigjährigen Fliegerleben ein. Von tragischen wie witzigen Erlebnisse an Bord und bei den Aufenthalten an vielen Orten auf dieser Welt kann sie berichten. Eines durchdringt die ganze Erzählung: Die tiefe Liebe der Autorin zu ihrem Beruf (eben kein „Job“) und ihre Begeisterung für den Umgang mit den Menschen, ihren Passagieren.

Wir sagen nicht ‚Auf Wiedersehen‘, wir sagen ‚Tschüss‘.

Aus der Abschlussdurchsage des letzten Air-Berlin-Flugs

**********************************************************************

AKTUELLES

 

Air-Berlin-Stewardess bei Maischberger: „Wir fühlen uns belogen!”

„Reiche ohne Skrupel: legal, illegal, ganz egal“ – so das Motto der Sendung von Sandra Maischberger am 15.11.2017. Eine Air-Berlin-Stewardess klagte dort ihr Leid und klagte an.

Quelle: BZ

**********************************************************************

LESEPROBE

9. September 2017
Heute fliege ich nach New York. Leider ist meine Freundin und Requestpartnerin Michaela nicht dabei. Wir haben bei Air Berlin ein System, das Preferential Bidding System, in dem wir eine Kollegin oder einen Kollegen eintragen können, mit dem wir gerne gemeinsame Flüge geplant bekommen möchten. Manchmal hat das sogar funktioniert.

Das einzige Thema, dass uns heute beschäftigt, ist natürlich die Insolvenz. Das Ganze ist so wenig greifbar. Von unserem Arbeitgeber kommen kaum Informationen. Wir sind auf die Informationen aus der Presse angewiesen. Es gibt verschiedene Bieter, Herr Claassen und Herr Wöhrl wollen zum Beispiel für die gesamte Air Berlin bieten.

Ich finde es allerdings ungewöhnlich, dass es immer nur um die Flugzeuge und die Strecken geht. Wir die Mitarbeiter tauchen in den Medien überhaupt nicht auf. Am 01.04.2011, als wir mit der LTU über einen Betriebsübergang in die Air Berlin übergegangen sind, war die LTU nicht insolvent. Ich hoffe aber dennoch, dass der jetzt kommende Übergang – in wen auch immer – ähnlich sein wird.

Es gibt gute Gesetze zum Schutz der Mitarbeiter in Deutschland. Die Passagiere fragen uns auch immer wieder, wie es weitergehen wird. „Ihr werdet ja von der Lufthansa übernommen, da freuen Sie sich doch sicherlich …“ Nun, zumindest ist es das, was wir hoffen.

Wir sind auf dem John F. Kennedy Airport in New York gelandet. Aus meinem kleinen Guckloch in der Flugzeugtür konnte ich kurz vor der Landung die Skyline von Manhatten sehen, der Anblick ist immer wieder wunderschön. New York Flüge sind fast immer ausgebucht, so auch heute. Am Ende eines Langstreckenfluges weiß man schon, was man getan hat und ist dementsprechend müde. Häufig fragen die Passagiere, wenn sie aussteigen: „Fliegen Sie jetzt direkt wieder zurück?“ Meine Antwort lautet dann meist: „Das würden sie im Falle unserer Piloten nicht wollen … “ und lächele den Passagier dabei müde an.

Heute, 10. September 2017, ist der Rückflug von New York. Mal wieder ein Nachtflug. Volle Hütte … man könnte meinen, dass Air Berlin nicht in der Insolvenz wäre.

Flugbegleiter haben Phantasie, das habe ich unendlich oft erlebt. Mit den bescheidenen Mitteln, die wir an Bord haben, konnten wir fast alle Wünsche der Passagiere an Bord erfüllen. Wir basteln Wärmeflaschen und lassen auf wundersame Weise Flugangst verschwinden. Als ein Passagier bei meiner Freundin Maya Kaffee mit Vanilleeis haben wollte, konnte sie ihm auch diesen Wunsch erfüllen. Dieses Getränk konnten sie sogar mit und ohne Baileys kredenzen. Wir hatten uns mal spaßeshalber in einem Facebook-Forum überlegt, eine besondere Karte für besondere Wünsche zu kreieren. In der Bordbar-Karte gab es immer besondere Deals. Das waren meist zwei verschiedene Artikel, die man, ich möchte jetzt nicht sagen zum Schnäppchenpreis, aber zu einem vergünstigten Preis erwerben konnte. Das erlesene Arrangement von Maya sollte den Namen »Deal Air-schmolzen« tragen. Mit Baileys wäre es dann der »Deal vAIR-liebt«. Die Ideen der Kollegen waren unerschöpflich. Wir hätten dem Management der Air Berlin gerne noch den »Deal Air-glüht« (Süßes mit Glühwein) oder den »Deal Air-wachet« (Kaffee mit Cola) oder den Deal »Air-barmen« (Wein mit O-Saft – das wird immer wieder gerne vom Gast bestellt) vorgeschlagen. Der Lindor-Stick mit Kaffee wäre »Deal Air-schwinglich« gewesen, ein Nackenkissen mit Jägermeister sollte »Deal Air-schlummert« und wenn man nach der Landung einen Blick ins Cockpit werfen möchte, mit Händedruck eines echten Kapitäns, dann hätte man den »Deal Air-lebnis« buchen können. Es gab sehr viele Vorschläge, von »Deal Air-nüchternd«, empfehlenswert für den Rückflug vom Ballermann (Stilles Wasser mit 2 Tabletten Aspirin) ist Deal »Air-laucht« (Champagnerbegrüßung mit Kofferträgerservice) war vieles dabei. Schön ist auch der »Deal Air-ster« für Passagiere, die gerne zuerst an Bord kommen oder von Bord gehen möchten. Nach Randale, Abholung durch Uniformierte wäre unser »Deal Air-bärmlich « erhältlich gewesen und den »Deal Air-otik« lasse ich jetzt mal weg. Der Phantasie der Deals sind keine Grenzen gesetzt. Der Flugbegleiter kann zaubern, nur leider hat das Management das nie bemerkt.

 

Bewertungen

Es gibt noch keine Bewertungen.

Schreiben Sie die erste Bewertung für „Die Air Berlin Affäre … aus Sicht einer Stewardess“

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.